Digitale Edition des Gumpenhuber-Repertoires

Das sogenannte Gumpenhuber-Repertoire[1], die handschriftlich überlieferte und bislang unveröffentlichte Theaterchronik des Wiener Hoftänzers, Choreographen und Ballettmeisters Philipp Gumpenhuber (1706–1770), stellt eine bedeutende Schriftquelle für die Kultur-, Theater- und Geistesgeschichte Wiens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dar. Auftraggeber dieser Chronik war der „Generalspektakeldirektor“ der Wiener Theater, Giacomo Conte Durazzo, dem dieses detaillierte Repertoire auch zur Rechtfertigung der hohen Ausgaben für den Theaterbetrieb gegenüber Kaiserin Maria Theresia diente.

Die Chronik dokumentiert in tagebuchartiger Form den Proben- und Spielplan an den beiden Wiener Bühnen (Französisches und Deutsches Theater / Burgtheater und Kärntnertortheater) für die Jahre 1758–1759 und 1761–1763 (mit Aufführungsdaten, Werktiteln, Autoren und Hinweisen zu den beteiligten Künstlern), informiert über den Personalstand des künstlerischen und administrativen Personals und vermittelt weitere aufschlussreiche Informationen zur zeitgenössischen Theaterpraxis, zum breiteren soziokulturellen Kontext und zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Ereignissen. Die erhaltenen Jahrgänge befinden sich in der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien sowie in der Theatre Collection der Harvard University, Houghton Library, Cambridge (MA).[2]

Auf diese für die Wiener Theatergeschichte außerordentlich wichtige dokumentarische Quelle hat erstmals 1975 Gerhard Croll aufmerksam gemacht.[3] Seitdem zählt eine kommentierte Edition des Gumpenhuber-Repertoires zu den geplanten Publikationsprojekten der Gluck-Forschungsstelle Salzburg. Dafür wurden bereits umfangreiche Vorarbeiten geleistet, wie die Übertragung sämtlicher Jahrgänge in digitaler Form sowie umfangreiche Recherchen zum Kommentar und zum musik-, theater- und tanzhistorischen Kontext. Auf der Grundlage dieser Vorarbeiten soll eine digitale Textedition mit TEI nach aktuellen Standards der Digital Humanities entstehen, mit der ein wesentlicher Beitrag zu einer fächerübergreifenden, historiographischen Forschung zur (Wiener) Theaterkultur des 18. Jahrhunderts geleistet werden kann.


[1]    Philipp Gumpenhuber, Repertoire de tous les Spectacles qui on été donné [sic] au Theatre près de la Cour […] recueilli par Philippe Gumpenhuber [Burgtheater, Titel des Jahrgangs 1761] bzw. Repertoire de Tous les Spectacles qui on été donné [sic] au Theatre de la Ville […] recueilli par Philippe Gumpenhuber [Kärntnertortheater, Titel des Jahrgangs 1759].

[2]    Die Überlieferungslage stellt sich wie folgt dar: Burgtheater 1758, Kärntnertortheater 1758–59, 1761 und 1763: Houghton Library, MS Thr 248, 248.1–248.3; Burgtheater 1761–63: Österreichische Nationalbibliothek, Mus. Hs. 34580/a–c Mus.

[3]    Gerhard Croll, Neue Quellen zu Musik und Theater in Wien 1758-1763. Ein erster Bericht, in: Festschrift Walter Senn zum 70. Geburtstag, hrsg. von Ewald Fässler, München-Salzburg 1975, S. 8–12, Nachdruck in: Gerhard Croll. Gluck-Schriften. Ausgewählte Aufsätze und Vorträge 1967–2002 (= Gluck-Studien 4), hrsg. von Irene Brandenburg und Elisabeth Richter, Kassel usw. 2003, S. 253–258, hier S. 254.